Karateschule Frickenhausen

Schule für Budokünste

Viet Vo Dao






Geschichte

Viet Vo Dao ist der international gebräuchliche Oberbegriff für alle vietnamesischen Kampfkünste, deren Entwicklung untrennbar mit der Geschichte des Landes Viet Nam und seiner Völker verknüpft ist. Sowohl dem Volk der Kinh (Vietnamesen im engeren, ethnischen Sinn) als auch der Geschichte seiner Kampfkünste wird eine weit über 4000jährige Tradition zugeschrieben, was jedoch ebenso wie bei den entsprechenden Mythen der Han (Chinesen im engeren Sinne) ein weitgehend fiktives "Geburtsdatum" darstellt, das eher auf Konvention und traditioneller Anschauung beruht als auf "historischen Fakten" (im westlichen Sinne). Die Frühzeit Viet Nams ist nur äußerst unzureichend bekannt: Natürlich gibt es schon aus der Steinzeit und später aus der Bronzezeit eine ganze Reihe von Waffenfunden, von denen einige offenbar nicht für das Jagen, sondern für kriegerische sowie rituelle Zwecke hergestellt wurden. Erst mit der Entwicklung des Nassreisanbaus (samt Bewässerung) und der offenbar stark erhöhten Produktivität in der Landwirtschaft kommt es zu einer höheren Besiedlungsdichte mit größeren Ansiedlungen. Eine Zuordnung zu einem heutigen Volk ist aber nicht sicher möglich.
Erst 111 vor unserer Zeitrechnung wurde das Land durch Truppen der chinesischen Dynastie der östlichen Hanerobert und das gesamte Gebiet als Protektorat Giao Chi verwaltet (bis 930 unserer Zeit). Es gab einen intensiven kulturellen Austausch, aber auch zahllose Widerstandsbewegungen und einige erfolgreiche Aufstände führten zu Interimsregierungen: 40 - 43 durch die beiden Schwestern Trung, 248 durch Trieu Thi Trinh Nuong, 544 - 604 durch die frühe Ly-Dynastie, 722 durch Mai Thuc Loan (Hac De) und seinen Sohn, 766 - 802 durch Phung Hung & Phung An, 905 - 930 durch Khuc Thua Du, seinen Sohn und seinen Enkel sowie (nach erneuten chinesischen Vorstößen) 931 - 938 durch Duong Dien Nghe.

Die Kampfkunst war noch immer eng mit der Kriegsführung verbunden und in dieser Zeit entstanden viele traditionelle Techniken und Strategien:

Theorie der Überlegenheit körpernaher Techniken - Di doan thang truong;
Theorie des Nachgebens gegen Kraft - Di nhu thang cuòng;
Theorie des Überraschungsprinzips - ;
Theorie des Geheimnis der Täuschungen - ;
Theorie des Ausweichens ohne Widerstand - Phan tan biên pháp.
In der Schlacht am Fluß Bach Dang (nahe dem heutigen Hai Phong) versenkte Ngo Quyen die chinesische Expeditionsflotte und legte damit den Grundstein für eine Folge von vietnamesischen Dynastien (ab 939). Erstmals wurde der Einflußbereich des Königreichs Dai Co Viet und später Dai Viet, südlich nach Trung Bo, das heutige mittlere Viet Namausgedehnt.
Während dieser Epoche wurde das Training im familiären Kreis nach sehr strengen Regeln durchgeführt. In drei Perioden des Wachstums und der Verbreitung verlor das Vo seinen bislang geheimen Charakter und wurde breiteren Bevölkerungskreisen zugänglich:

während der Dynastien der Ly (1010 - 1225) und der Tran (Übernahme ab 1211; 1225 - 1394) und noch einmal während der kurzen Herrschaft von König Quang Trung (1788 - 1792).
Während dieser beiden Perioden bekam die Kampfkunst sowie die vietnamesische Literatur eine wichtige Bedeutung im nationalen Bildungswesen. Sie werden daher als goldenes Zeitalter des Vo angesehen, in dem es auch eine königliche Akademie für Kampfkünste gab (Giang Vo Duong). Noch während der Tran-Dynastie kam es zu wiederholten Einmärschen der Mongolen unter Kublai Khan (1257 - 1288), die nach ihrem Sieg über China vor allem an dem südlichen, weitaus reicheren Nachbarn von Dai Viet, dem Königreich Champa, interessiert waren. Dem Feldherrn Tran Hung Dao gelang es jedoch jedesmal, die angreifenden Armeen ins Leere laufen zu lassen und mit Partisanenkämpfen den Nachschub zu unterbrechen, so daß sich die Mongolen wieder zurückziehen mußten.
Zwischen 1406 und 1427 wurde das Land nochmals durch die erstarkten Chinesen (Ming-Dynastie) okkupiert und die Besatzer versuchten äußerst brutal dem Volk seine kulturelle und ethnische Identität zu nehmen. Nach kleineren, erfolglosen Aufständen wurde das Land ab 1417 nach und nach durch die Lam Son Widerstandsbewegung unter Le Loi befreit, der als König Le Thai To die späte Le-Dynastie (1428 - 1789) begründete. 1471 wurde das Königreich Champa endgültig erobert und Dai Viet einverleibt. Damit sind neben China im Norden nur noch die Thai/Lao im Westen sowie die Khmer im Süden Völker, die einen regionalen Machtfaktor darstellen.

Nach der Machtübernahme durch die Mac-Familie (1527 - 1677) und dem Wiedereinsetzen der Le-Dynastie, zunächst im Süden (1533) und später auch im größten Teil des Nordens (1592) begann eine lange Phase von inneren Machtkämpfen. Die eigentliche Macht lag bei der Nguyen-Familie im Süden und der Trinh-Familie im Norden, aber es gelang keinem von beiden die absolute Herrschaft zu erlangen. Diese Auseinandersetzungen förderten auch die Herausbildung von unterschiedlichen regionalen Stilrichtungen des Vo:

das Vo Bac Ninh im Norden (Bac Bo),
Vo Quang Binh und Vo Binh Dinh in der Mitte (Trung Bo)
und das Vo Lam im inzwischen besetzten Süden samt urbar gemachten Mekong-Delta (Nam Bo), das starke Einflüsse durch Exilchinesen (vor allem aus Zentral- und Nordostchina) erhielt, die bereits seit der Eroberung Chinas durch die Mongolen in Cholon (nahe Sai Gon, heute ein Stadteil) und weiteren Handelszentren siedelten.
Aufgrund von sozialen Problemen im Norden und später auch im Süden kommt es zum Tay-Son-Aufstand (1771 - 1788) unter Führung der Brüder Nguyen (Vo Binh Dinh). Während Nguyen Nhac im Süden und Nguyen Lu in der Mitte herrschen, zieht der glänzende Militärstratege Nguyen Hue nach Norden gegen eine von den bedrängten Herrschern zu Hilfe gerufene chinesische "Befreiungsarmee". Dort krönt er sich als König Quang Trung (1788 - 1792). Damit beginnt die zweite, kurze goldene Periode des Vo.


Bereits seit 1788 faßte der durch die Tay Son vernichtend geschlagene Nguyen Anh im Süden erneut Fuß und erreichte 1802 mit französischer Unterstützung Ha Noi, so daß erstmals das gesamte Gebiet des heutigen Viet Nam vereint ist. Jedoch wurde er die gerufenen Geister nicht wieder los, und ab 1858 setzte Frankreich immer weitergehende Ansprüche auf vietnamesisches Gebiet durch, so daß Viet Nam 1887 - 1945 vollständig als französische Kolonie zu Indochina gehörte; der letzte Kaiser der Nguyen-Dynastie dankte 1945 ab. Die Ausübung des Vo war unter den Franzosen sowie seit 1883 im ganzen Land verboten und fand deshalb ausschließlich im Geheimen statt. Dies förderte wiederum die Ausbildung von vielen einzelnen Stilen.

Erst durch die Gründung der Vovinam-Schule 1938 durch Nguyen Loc wurde das Vo ab 1950 wieder breiten Bevölkerungskreisen zugänglich und weitere Schulen gingen ebenfalls in die Öffentlichkeit; insbesondere im Süden, wo Anfang der 60er Jahre eine Dachorganisation der verschiedenen Stilrichtungen zur Verbreitung des Vo gegründet wurde (Tong Hoi Vo Hoc Viet Nam). Durch den Kontakt mit dem japanischen Graduierungssystem während der japanischen Besatzung (1940 - 1944) beginnen einzelne Schulen als Ersatz für die staatlichen Prüfungen jeweils eigene Gürtelgrade einzuführen, wobei als Faustregel Blau häufig auf Schülergrade hinweist und gelb/gold sowie rot verschiedenen Dang-Graden entspricht.

Während vorher nur wenige Vietnamesen ins Ausland (vor allem nach Frankreich) übersiedelten, mußten im Laufe der japanischen Besatzung, während des 2. Indochinakrieges (1964 - 1975) und bis 1982 (als 'boat people') viele Vo Sinh das Land verlassen und geben ihre Kunst nun auf der ganzen Welt weiter. Seit 1975 waren die Ausübung des Vo im ganzen Land verboten und Meister inhaftiert, da das traditionelle Vo als reaktionär galt. Erst seit 1988 kann der Nationalschatz des traditionellen Vo wieder offen in Viet Nam praktiziert werden.

Eine Übersicht über die Vielfalt der vietnamesischen Kampfkünste zu geben, wird neben ihrer Vielzahl durch mehrere Umstände stark erschwert: Wie überall in Asien ist die Lehrer-Schüler-Verbindung etwas sehr persönliches und blieb daher ebenso wie die im engen Familienkreis gehüteten Kampfkünste meistens der klassischen Geschichtsschreibung verborgen; zudem wurde das Lesen und Schreiben erst mit Einführung der Umschrift mit lateinischen Buchstaben (chu quoc ngu) und ihrer staatlichen Anerkennung als offizielle Schrift 1919 größeren Bevölkerungskreisen zugänglich - zudem scheinen viele Lehrer dem geschriebenen Wort keine große Bedeutung beigemessen zu haben (zumindest nicht der Publicity, nicht zuletzt wohl auch wegen der instabilen politischen Verhältnisse...). Die für Viet Nam besonders charakteristische dezentrale Organisation ist ein Faktor, der sowohl für den ungebrochenen Widerstandswillen als auch für die Entwicklung der Kampfkünste nicht zu unterschätzen ist: In den goldenen Perioden des Vo wurde in jedes Dorf ein Absolvent der Giang Vo Duong gesandt, der für die die Dorfverteidigung und Ausbildung der Dorfbevölkerung verantwortlich war. So war einerseits eine hohe Qualität und Kenntnis verschiedenster Kampfmethoden als auch andererseits ein starker lokaler Bezug gegeben; in Zeiten schwacher Regenten und anderen Krisenzeiten waren die Dörfer selbstständige Einheiten, in denen diese überlebenswichtigen Traditionen weitergepflegt wurden. So ist es nicht verwunderlich, daß vor allem die großen militärischen Ereignisse der vietnamesischen Geschichte bekannt sind, aber wenig über die vielen Tausende von hervorragenden Kämpfern und ihren jeweiligen Kampfstilen.

Genauso wichtig wie die Kampfkünste der Kinh, sind diejenigen der ethnischen Minderheiten in Viet Nam: Wie oben bereits erwähnt, gibt es eine einflußreiche chinesische Minderheit, die durch mehrere Einwanderungswellen nach Viet Nam gelangte und natürlich auch ihre Kampfkünste mitbrachte. Meistens wurden solche Familienstile nur an wenige ausgewählte Schüler weitergegeben; diese Schüler waren "selbstverständlich" ebenfalls Han, bzw. andere aus Südchina eingewanderte Volksgruppen. Genauso gaben die Kinh-Meister ihre Kunst an Schüler ihrer Ethnie weiter. Sicher haben sich im Laufe der Zeit aber auch Kontakte und ein gewisser Austausch (und sei es im Kampf) ergeben. In seltenen Fällen ist auch eine "Cross-Ausbildung" bekannt geworden, da es sicher immer wieder unorthodoxe Lehrer gegeben hat, denen das Potential und die moralische Integrität eines potentiellen Schülers wichtiger als seine Herkunft war!

Natürlich besitzen auch die vielen anderen ethnischen Minderheiten (im Tiefland und vor allem in den Bergregionen) Waffen und entsprechende Künste - nur sind diese leider bislang völlig unzureichend bekannt. Viele dieser Völker stehen unter starkem Druck durch Zuzug in ihre traditionellen Siedlungsgebiete und einige ihrer alten Kampfkünste sind sicher vom Aussterben bedroht.



Was ist Viet Vo Dao?

Viet Vo Dao ist eine Selbstverteidigungs- und Kampfsportart aus Viet Nam. Sie ist durch zeitgemäße Lebensphilosophie, Reduzierung und Systematisierung von Kampftechniken verschiedener vietnamesischer Kampfstile in der Fülle der vietnamesischen Kampfkünste entstanden.

In Europa, Afrika und Amerika wird sie seit 1972 länderübergreifend konzipiert und gelehrt. Diese Entwicklung die sich nach den jeweiligen Umständen richtet und sich neuen Lebensverhältnissen anpaßt, hat u.a. Meister Phan Hoang, Prof. Dr. für Wirtschaftwissenschaft mit der Gründung der "International Viet Vo Dao Federation" geleistet.

 Meister Tran Viet Tung, international anerkannter Viet Vo Dao-Lehrer, Schüler von Meister Phan Hoang, führte 1977 diese Selbstverteidigungs und Kampfsportart in das Gebiet Rhein-Neckar ein. Seit Begründung seines Kampf und Lehrsystems im Jahre 1982 ist Viet Vo Dao in ständiger Entwicklung und Verbreitung.

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